Alle Jahre wieder.... Erotikmessen

Eines Tages musste es ja mal soweit kommen ...
... unsere Ansichten zum Thema "Erotikmesse"


Alle Jahre wieder... Nein, ich komme jetzt nicht auf die gemütlich kuschelige Weihnachtszeit. Alle Jahre wieder hängen in den Straßen die Plakate für die 27. Erotikmesse in Deiner Stadt. Vor Jahren haben diese Vorankündigungen noch einen verschämten Hingucker hervorgerufen, heute – im Zeitalter von "Peep", "Liebe Sünde", "Wa(h)re Liebe", "Strip" *grusel* etc. - erzeugen die entsprechenden Plakate kaum noch müdes Lächeln. Nun gut, also sind diese Veranstaltungen wohl kaum noch als Pfuhl liederlicher Unsagbarkeiten anzusehen, schließlich kann Otto-Normalverbraucher mittlerweile via Fernsehen oder Internet auf alle Informationen zugreifen, die vorher nur mit hochgeschlagenem Kragen in der Bahnhofsbuchhandlung bereit lagen. Aus genau diesem Grund habe ich es auch nicht für nötig erachtet, mir das zu einer Zeit anzusehen, wo – wie schon gesagt – entsprechend Plakate noch Hingucker waren. Und später... na ja, Internet und Fernsehen eben.

Ein wenig erstaunt darüber, dass diese Veranstaltungen heute noch – alle Jahre wieder... – durch die Lande ziehen, sind wir (Alexandra und ich) dann eben doch auf einer dieser Messe gelandet, weil es so schön passte, den ersten Preis unseres monatlichen Gewinnspiels vor Ort abzuholen (schließlich kennen wir die meisten Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, leider nur via Email oder sehr selten mal per Telefon). Froh darüber, dass diese Messe nicht in einem Zelt auf dem Schützenplatz hinter dem Gewerbegebiet stattfinden sollte, sondern mitten in der Stadt, wollten wir dann auch einfach "mal so" vorbeigehen, unseren Preis abholen, und uns vor Ort einfach noch ein bisschen umsehen.

Tja, und das mit dem einfach mal ein bisschen umsehen, war dann so eine Sache, denn wenn ich mich in der "guten alten Zeit" schon mal auf eine Erotikmesse verirrt hätte, wäre mir bestimmt nicht entfallen, dass der Veranstalter mit den Eintrittspreisen richtig hinlangt. Die DM 40,00 (pro Person, versteht sich) würden dann eben anfallen, um "bestimmte Personen" von dem Programm fern zu halten, war das, was uns auf unsere Nachfrage hin mitgeteilt wurde. Gespannt darauf was uns bei so einem stolzen Preis nun erwarten würde, haben wir uns nicht abschrecken lassen – immerhin wollten wir ja in erster Linie unseren Preis in Empfang nehmen, den wir in unserem monatlichen Gewinnspiel verlosen.

Eine Messe ist in erster Linie eine Messe, ob es sich dabei nun um Haushaltswaren oder Erotikartikel handelt, also viele Stände und das entsprechende Programm des Veranstalters war das, was uns erwartete. Nun weiß der bekennende Internet-Surfer in Sachen Erotik, das genau das ein sehr dehnbarer und in vielen Fällen leider fehlinterpretierter Begriff ist. Zu unserem Entsetzen mußten wir feststellen, dass sich dies auch offline und genau an diesem Ort zu bestätigen schien. Das Remmidemmi-Beiprogramm bestand dann aus ewig lange angekündigten und quälend langweiligen Auszieh-Vorführungen mehr oder weniger langbeiniger aber auf jeden Fall chirurgisch gestylter Stripperinnen, die Ihre Fähigkeiten wohl dann auch schon in der einen oder anderen oben genannten TV-Ausstrahlung zur Schau stellen konnten (wie in der Anmoderation ausführlichst hingewiesen) *gähn*.

Fein, mehr Zeit, die wir den Produkten der unterschiedlichsten Ausstellern widmen konnten: Einer bunten Mischung aus Anbietern von "erotischer" Bekleidung (von der Abendgarderobe bis zum Fetisch-Bedarf), unheimlich vielen Sex-Shop-Betreibern (mit der klassischen Mixtur von allem etwas), der langweiligen Riege von Porno-Film-Verkäufern (die immer so aussehen, als ob denen das alles selbst am peinlichsten ist), und einigen wenigen Ausnahmen von Ausstellern mit niveauvoller erotischer Kunst, witzigen Accessoires, stilvoller Garderobe oder sinnlichen Kosmetikartikeln.

Die wirklich "netten" Messestände mußten wir leider suchen. Zu groß war das Angebot an Porno-Film- und Sex-Shop-Ständen, die sich eigentlich kaum von einander unterschieden (wenn man von dem internen Wettbewerb, wer denn nun die perversesten Filme oder billigsten Vibratoren anbietet, einmal absieht). Gut 90 % der Ausstellung kann man dann getrost mit "alles schon mal gesehen...." oder "DAS ist nun wirklich nicht mein Geschmack...." zusammenfassen. Der Rest, Häufig Aussteller aus den Niederlanden mit qualitativ hochwertigen Artikeln und Anbieter wirklich exklusiv erotischer Mode, ging dazwischen leider etwas unter.

Bleibt der fragende Blick auf das Publikum und das Gespräch mir den Ausstellern: Erstaunlich positiv war die im Vergleich große Anzahl an wirklich "stink normalen" Besuchern (viele Pärchen unterschiedlichsten Alters) zwischen den anwesenden Junggesellen-Grüppchen und den leicht zu erkennenden Fetischisten (meistens Lack und Leder). Auffällig weniger Personen, die nur mal eben so 'reingeschnuppert hätten (klar, bei den Preisen) und daher auch auffällig viele Austeller, die ob der Besucherzahlen und des Umsatzes nicht grade in Freudentaumel ausgebrochen sind.

Am Ende stellt sich für mich die Frage nach dem Sinn der dieser Veranstaltungen. Ohne konkrete Verabredung in Sachen Gewinnspiel wäre ich mit den 40 Mark (und als Paar eben DM 80,00) in der Tasche wieder abgezogen. Ansehen und Bestellen kann ich mir das meiste in den entsprechenden Geschäften oder eben hier – im Internet. In Gebieten, die so stark landwirtschaftlich geprägt sind, dass sich in den nächsten 100 km kein entsprechendes Geschäft befindet, mag so eine Veranstaltung vielleicht noch ganz interessant sein (stellt sich aber dann die Frage, wie viele Besucher das dann dort anlockt). Den Veranstaltern dieser Messen sei dringendst zu raten, das gesamte Konzept zu überdenken und für ein geschmacklich billiges Programm keine exklusiven Preise zu verlangen. Unser Kontakt auf der Messe hatte dann noch einen kleinen Tipp parat: "Fahrt mal nach Holland und seht Euch eine Erotikmesse dort an." Ob's dort besser ist?


Hunzelstrunz (Lars :-)




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