Dominanz und Unterwerfung
Das ewige Spiel von Dominanz und Unterwerfung ist allseits bekannt und dank der Massenmedien inzwischen auch ganz gut breitgetreten. Aber was steckt denn nun - jenseits von latextragenden Fetischisten, die ihren Sklaven oder ihre Sklavin am Halsband hinter sich her ins TV-Studio schleifen - wirklich dahinter? Ist SM und Bondage nur etwas für durchgedrehte "Perverse"?

Tatsache ist: das Spiel von Lust und Unterwerfung findet in vielen Schlafzimmern statt. Man muß zwar nicht gleich die Peitsche rausholen, um wieder etwas Pep ins Liebesleben zu bringen, aber das Spielen mit Emotionen und der Lust des anderen hat schon einen ganz besonderen Reiz.

Wenn beide noch keinerlei Erfahrung mit SM-Praktiken gesammelt haben, ist es vielleicht etwas schwierig, den Anfang zu finden. Wie reagiert der Partner, wenn sie ihn abends im Latexkleid mit dem Gummiknüppel in der Hand überrascht? Oder was wird sie sagen, wenn er plötzlich während der allabendlichen Zärtlichkeit die Lederriemen rausholt und sie an den Bettpfosten fesselt? Für Paare, die nur schwer miteinander über ihre Wünsche sprechen können, ist es gerade bei solchen Gelüsten äußerst schwierig, denn das Einverständnis des anderen solchen Praktiken gegenüber sollte schon vorausgesetzt werden, bevor man sich ans Werk macht.

Ist die erste Hürde aber überwunden und der oder die andere hat klar zum Ausdruck gebracht, daß nichts gegen kleine Spielchen einzuwenden sei, stellt sich natürlich die Frage nach dem "Wie". Bin ich nun eher dominant oder vielleicht doch lieber devot? Wie soll man das wissen, wenn es noch nie ausprobiert wurde?

Lauscht in Euch hinein und versetzt Euch einfach in die jeweilige Situation. Welcher Gedanke turnt Euch nun mehr an: gefesselt im Bett zu liegen und von ihm "genommen" zu werden, oder ihn lustvoll unter Euren Qualen leiden zu sehen? Schöne Spielarten sind beide Situationen, und sicherlich werden die meisten auch an beiden Varianten ihre Reize finden. Und um eventuelle Vorlieben herausfinden zu können, muß man es wenigstens einmal ausprobiert haben :-)

Für die ersten Versuche ist kein teures "Zubehör" aus dem Sexshop nötig. Die Garderobe oder der Baumarkt um die Ecke reichen völlig aus, um hier ein Anfänger-Equipment zusammenzustellen. Vorsicht ist auf jeden Fall bei allen Bondage (=Fessel)techniken angesagt! Wer hier falsch oder gar zu fest schnürt, kann den anderen ernsthaft verletzen. Auch wer sein Glück mit billigen Plastikhandschellen aus einschlägigen Geschäften versucht, läuft Gefahr, dem anderen wirklich Schaden zuzufügen. Am einfachsten geht es für Anfänger mit einem Schal oder einem Seidentuch. Nylonstrümpfe haben den Nachteil, daß sie in die Haut schneiden und bei (auch spielerischem) Zerren noch fester zuschnüren, also ist auch hier Vorsicht angesagt.

Sehr einfach, dafür aber besonders effektvoll: dem anderen die Augen verbinden. Dies erweckt eine Atmosphäre von Hilflosigkeit (man sieht ja nichts), gibt aber andererseits dem Partner die wunderbare Möglichkeit, sich voll und ganz auf das Geschehen konzentrieren zu können. Mit verbundenen Augen spürt man jede Berührung intensiver, und nette Überraschungseffekte sind sehr gut möglich. Das Spielen mit Temperaturen ist ebenfalls eine willkommene Abwechslung (Neuneinhalb Wochen lassen grüssen). Eine Fellatio mit abwechselnd kaltem (vorher Eiswürfel lutschen) und heißem (einen Schluck heißen Tee oder Kaffee in den Mund nehmen) Mund ist für jeden Mann eine echte Offenbarung.

Wer mit Kerzenwachs spielen möchte, sollte hierfür nur ungefärbte Paraffinkerzen oder Teelichte benutzen. Um die Schmerzempfindlichkeit des anderen herauszufinden und dabei nicht zu strapazieren kann man das heiße Wachs aus unterschiedlichen Höhen auf den Bauch oder die Arme tropfen lassen - je höher die Kerze gehalten wird, umso kälter ist das Wachs natürlich. Doch auch hier ist unbedingt Vorsicht und Konzentration angesagt, und Finger weg von Geschlechtsorganen und empfindlichen Köperteilen (Brustwarzen, Mund, Augen). Auf jeden Fall sollte der aktive Part dieses Spielchen vorher an sich selbst ausprobiert haben, um den Schmerz einschätzen zu können.

Zu einem richtigen Dominanz-Spielchen gehören natürlich Dessous und Kleidung, doch diese sind in der Regel recht kostspielig. Und wer weiß, ob sie nicht anschließend doch nur in der Schublade verstauben? Hier kann man auch wunderbar improvisieren, wenn man dem Kleiderschrank einen tieferen Blick gönnt. Der devote (also in der Regel passive) Part kann natürlich ganz nackt sein, wobei die komplette Nacktheit den Eindruck der Hilflosigkeit und Abhängigkeit sogar noch verstärkt. Daher ist es angebracht, daß der dominante (also aktive) Partner eben nicht ganz nackt ist. Männer kommen gut rüber in gut geschnittenen, engen Unterhosen, darüber einen langen Mantel (vielleicht hat ja jemand noch einen Ledermantel in der Kleidertruhe) oder eine Lederjacke und feste Stiefel. Auch eine enge Hose aus Leder oder eine Jeans mit freiem Oberkörper kann hier mit dem passenden Gesichtsausdruck und der richtigen Gestik Wunder wirken.

Wenn sie ihn ein wenig quälen möchte, ist sie natürlich mit heißen Dessous (egal aus welchem Stoff) immer passend gekleidet. Strumpfhalter und Strümpfe sind schon fast ein Muß, ansonsten ist der Phantasie freier Lauf gelassen. Hohe Stiefel oder High-Heels sind verständlicherweise ein besonders prickelnder Genuß. In Sexshops gibt es jedoch auch sehr preiswerte Latexteile (ab ca. 30 DM), zum Beispiel einen Latex-Minirock oder ein Latex-Bustier. Diese halten in der Regel nicht lange, aber wer nur ab und zu ein wenig spielen möchte ist mit der Investition gut beraten.

Die richtige Atmosphäre gehört natürlich unbedingt dazu; wer ein eher langweilig-biederes Schlafzimmer sein eigen nennt sollte die Aktion dann vielleicht lieber ins Wohnzimmer, die Küche, den Flur oder ins Badezimmer verlegen. Eichenholz- oder Kiefernmöbel und Wäschestapel erweisen sich nämlich gern als Lustkiller in extravaganten Situationen :-)

Eine gedämpfte Beleuchtung (Kerzenlicht reicht völlig aus) und vielleicht ein wenig passende Musik, wenn man das mag, sorgen schon für die nötige Stimmung. Ein wenig schauspielerisches Talent ist allerdings auch nicht schlecht, denn wer kann einen "Master" ernstnehmen, der sich vor Lachen kaum halten kann?

Offenheit und Vertrauen sind natürlich am allerwichtigsten bei solchen ersten Gehversuchen. Wer so weit gehen und dem anderen Schmerzen zufügen möchte (dessen Einverständnis vorausgesetzt, versteht sich), sollte unbedingt vorher ein Code-Wort vereinbaren, um das Ende einzuläuten und die persönliche Grenze des anderen zu markieren. Im Eifer des Gefechts kann es sonst nämlich passieren, daß man gar nicht merkt, wenn der Partner seine Grenze bereits überschritten hat. Außerdem sollte klar sein, daß auch eine wehrlos gefesselte Person jederzeit das Recht haben muß, "Nein!" zu sagen und abzubrechen.

Wer es wagt wird sicherlich schnell feststellen, daß das Spiel mit Macht und Unterwerfung eine echte Bereicherung für das Liebesleben sein kann. Wer hier kreativ ist findet immer neue Inspiration und Variationen. Und so mancher, der mit leichten Fesseleien anfing, hat inzwischen eine ganz neue Leidenschaft für sich entdeckt...

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Ausprobieren und Rumprobieren, denkt immer daran: Alles ist erlaubt, solange es beiden gefällt. Seid kreativ, probiert aus und genießt es, den anderen lustvoll zappeln zu lassen, oder selbst an den Rand des Wahnsinns getrieben zu werden.

In diesem Sinne...

Eure Alexandra

PS: Auf der Website Zarthart.com findet Ihr viele interessante Infos rund um die Themen Bondage und SM - auch für Anfänger.

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